Sprachhelfer-Projekt

Die Gründungsgruppe: v.l. SL Bieler, Frau Lüdecke-Goldberg, Frau Braun, Frau Elkar, Frau ter Jung, Frau Grau, Frau Uebach; es fehlen: Frau Hein und Frau Vaccardiu

 Sprachhelferprojekt an der GS Neunkirchen

Seit den Herbstferien gibt es ein neues Projekt an der Grundschule Neunkirchen: Das Sprachhelfer-Projekt. Keimzelle für diese Idee sind die Schwierigkeiten, die wir mit einzelnen Quereinsteigern aus europäischen Ländern haben, welche manchmal ohne die geringsten deutschen Sprachkenntnisse zu uns kommen und entsprechend wenig aus dem Unterricht mitnehmen können. Selbst die einfachsten sprachlichen Kompetenzen für den alltäglichen Umgang miteinander sind häufig nicht vorhanden und stellen sich, je nach Rahmenbedingungen im familiären Umfeld, erst nach vielen Wochen ansatzweise ein.

Natürlich bekommen diese Kinder alle Fördermöglichkeiten, die die Schule bieten kann, doch so zahlreich, wie in solchen Fällen notwendig und wünschenswert sind sie nicht. Außerdem stellt Einzelförderung, die intensivste Art der Unterstützung, in der Schule die Ausnahme dar, auf die man nur bei einem sehr großzügig bemessenen Lehrerstundenangebot zurückgreifen kann. Leider stehen uns diese Stunden nicht zur Disposition, ganz im Gegenteil: Durch Schwangerschaften im Kollegium ohne die erhoffte 1:1 – Vertretung hat sich unsere Stellensituation im Schuljahr 2014/15 deutlich verschlechtert.

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Nachdem wir mit unseren Lesepaten (einem anderen Projekt, bei dem wir freiwillige Helfer für das Lesetraining mit Kindern unserer OGS gesucht und gefunden haben)  mittlerweile über mehr als 5 Jahre hin eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit pflegen entstand die Idee, über die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, Frau Großhaus-Lutz, auch für die Arbeit mit unseren "sprachlosen" Kindern ehrenamtliche Helfer zu suchen. Über diese Schiene meldeten sich tatsächlich insgesamt 11 Frauen, mit denen wir uns zunächst in Einzelgesprächen über unsere Vorstellungen zum Sprachhelfer-Projekt austauschten.

Folgende grobe Rahmenbedingungen kamen für den Start des Projekts dabei heraus:

  • die Kinder sollen über 6 - 8 Wochen an jedem Schultag eine Schulstunde lang intensiv sprachlich gefördert werden
  • diese Förderung läuft zunächst als 1:1-Betreuung, später vielleicht auch in der Kleingruppe
  • zwei Sprachförderer teilen sich die Verantwortung für ein Kind und decken den Förderbedarf für 5 Tage pro Woche ab
  • als Unterstützung stehen den Sprachhelferinnen Unterrichtsmaterialien und Ansprechpartner im Kollegium zu Verfügung
  • am Ende jeder Woche wird ein Podium angeboten, auf dem sich alle Beteiligten mit Lehrern der Grundschule zusammen setzen und über ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen austauschen können

Mittlerweile läuft diese Arbeit planmäßig seit einem halben Jahr. Dabei sind Einsatzpläne entstanden, die für alle einen festen und verlässlichen Rahmen liefern. Durch den ständigen Austausch zwischen den Sprachhelfern und dem Kollegium der Grundschule sind schon wertvolle Impulse für eine Optimierung dieser Arbeit entstanden. So arbeitet eine Sprachhelferin an mehreren Tag der Woche auch mit der Mutter einer Schülerin aus dem Projekt, wodurch sich dann auch die Sprachentwicklung in der Familie und damit auch die häuslichen Unterstützungsmög-lichkeiten für das Kind auf mittlere Sicht deutlich verbessern werden.                                  Ein Kind hat eine Schwester, die im kommenden Sommer in die Schule kommt und auch noch kein Deutsch spricht. Die Förderung im Kindergarten läuft nicht besonders gut, weil das Kind noch keinen Anschluss gefunden hat. Auch dieses Kind wird seit Beginn des Jahres im Rahmen unseres Sprachhelfer-Projektes betreut.

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Deutlich wurde uns in der Reflexion der Arbeit in diesem Projekt, dass es mit den ursprünglich angedachten 8 – 10 Wochen nicht getan ist. Man muss sicherlich die individuelle Spracharbeit über mindestens ein Halbjahr ausdehnen, um diesen Kindern eine bessere Chance auf erfolgreiche Mitarbeit in ihren Klassen bieten zu können. Hinzu kommt, dass wir in Zukunft sicherlich mit einer größeren Anzahl von Kindern in einer solchen schwierigen sprachlichen Situation rechnen müssen. Dafür entsprechend auch weitere freiwillige Helfer zu bekommen erscheint uns im Hinblick auf unsere bisherigen Erfahrungen nicht das größte Problem zu sein. Schwieriger, weil mit einigen Kosten verbunden, ist die Beschaffung von Material, das geeignet ist, auch pädagogisch weniger vorgebildeten Menschen eine erfolgreiche und motivierende Arbeit mit den Kindern zu ermöglichen. Bisher kommen Medien zum Einsatz, die schon in der Schule vorhanden sind und zum Teil bringen die Sprachhelfer auch eigenes Material mit.

Hier wollen wir die Rahmenbedingungen nach und nach deutlich verbessern, indem wir mit den Sprachhelfern gemeinsam Lernmaterial sichten und einkaufen, es optimalerweise zentral so lagern, dass es nur für diese Förderung genutzt wird und sich nicht mit anderem alltäglichen Arbeitsmaterial vermischt.

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Ein Bild der ersten gemeinsamen Sitzung der ursprünglichen Sprachhelferinnen mit Kollegen der Grundschule statt. Hier wurden organisatorische Dinge geklärt, Materialien vorgestellt und Impulse und Anregungen für die praktische Umsetzung gesammelt. Am 27. Oktober 2014 ist das Projekt gestartet.